Europäische Union zum Sport (Sporterziehung)

Das Europäische Parlament nimmt 1988 seinen ersten Bericht zum Thema "Sport und Europa" an. Der Bericht des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung und Medien ("Larive-Bericht"; Sport wird erst 1999 in die Bezeichnung aufgenommen) hat seinen inhaltlichen Schwerpunkt bei der Bewertung der angewandten Sportpolitik der Europäischen Gemeinschaft.

Im Jahr 1991 erschien die Mitteilung der Kommission an den Rat "Die Europäische Gemeinschaft und der Sport". Es war das erste EU-Dokument, das sich allgemein und ausschließlich mit dem Sport befasste.
Im gleichen Jahr erschien aus gegebenen Anlässen außerdem eine Mitteilung der Kommission an den Rat über "Doping im Sport". Im Jahr 1992 veröffentlichte die Kommission eine Broschüre aus der Serie "Stichwort Europa" über den Sport.

Diese ersten Positionspapiere und Stellungnahmen der Kommission lösten bei den Betroffenen, bei den staatlichen Stellen (Ministerien) und bei den nichtstaatlichen Sportorganisationen der Mitgliedsländer (Verbände) einen Diskussionsprozess aus. Der europäische Sport begann sich auf die neue Situation einzustellen, Informationen zu sammeln und die gemeinsame Vorgangsweise im Sinne einer Lobby-Arbeit zu koordinieren.

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Die Vereinigung der Europäischen Nichtstaatlichen Sportorganisationen (ENGSO), der auch die österreichische Bundes-Sportorganisation angehört, gründete einen eigenen EU-Ausschuss. Er hat ebenfalls die Aufgabe, Informationen zu sammeln und eine Koordination der Aktivitäten der Europäischen Nichtstaatlichen Sportorganisation herbeizuführen.

1991 griff die Kommission die Idee zur Schaffung eines Forums für den Sport auf, in dem sowohl die Nationalen Olympischen Komitees und die Dachverbände des Sports als auch die zuständigen Ministerien vertreten sein sollten: im Europäischen Sportforums (ESF) kommen seither einmal im Jahr Vertreter der Regierungen, der Sportverbände und der Europäischen Kommission zusammen, um sich zu Schwerpunkten der europäischen Sportagenda auszutauschen.

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1995 sprach der EuGH sein wohl bis dato bekanntestes Urteil, das für besonderes öffentliches Interesse gesorgt hat: Das Bosman-Urteil  ist nicht nur im Sport zu einem feststehenden Begriff für die Auswirkung europäischer Gesetzgebung geworden.

Der Schlussakte des Amsterdamer Vertrags 1997 ist eine Erklärung zum Sport beigefügt, die - wenn auch nicht rechtlich bindend - die gesellschaftliche Rolle des Sports innerhalb der Gemeinschaft unterstreicht und darauf verweist, bei Fragen des Sports die Besonderhei-ten des Amateursports zu berücksichtigen.
1998 wurde die Sports Unit als expliziter Ansprechpart-ner für die verschiedenen Belange des Sports in der Europäischen Kommission eingerichtet. Die Sports Unit ist seither Teil (wechselnder) Generaldirektionen, die ei-nem EU-Kommissar unterstellt sind.

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Für den Europäischen Rat von Helsinki erstellte die Europäische Kommission 1999 einen Bericht "im Hinblick auf die Erhaltung der derzeitigen Sportstrukturen und die Wahrung der sozialen Funktion des Sports im Gemeinschaftsrahmen" ("Helsinki-Bericht"). Er basiert vorwiegend auf den Ergebnissen des "Europäischen Sportmodells", einem Diskussionspapier der Kommission, in dem sie Sportorganisationen zu Vorschlägen und Anregungen im Hinblick auf die künftige Organisation des Sports in Europa befragt hatte.

Im Dezember 2000 nahmen die Staats- und Regierungschefs eine Erklärung zum Sport im Anhang der Schlussfolgerungen des Rates auf. Die "Erklärung über die im Rahmen gemeinsamer Politiken zu berücksichtigenden besonderen Merkmale des Sports und seine gesellschaftliche Funktion in Europa" ist im Vergleich zur Erklärung von Amsterdam umfassender, stattet den Sport aber noch immer nicht mit einer rechtlich bindenden Verankerung im europäischen Vertragswerk aus.

Auf dem Gipfel von Laeken beschlossen die Staats- und Regierungschefs im Dezember 2001 einen Verfassungsentwurf für die EU vorzubereiten. In dem Entwurf wird erstmals der Sport in einem europäischen Vertragswerk ausdrücklich erwähnt: die Möglichkeit von gemeinschaftlichen Koordinierungsmaßnahmen für den Sport und streicht die europäische Dimension des Sports heraus.

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2004 wurde von der EU zum "Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport" ausgerufen. Vorrangiges Ziel dieses thematischen Jahres war die Sensibilisierung der europäischen Öffentlichkeit für die Bedeutung des Sports in der Erziehung und insbesondere die Förderung körperlicher Aktivitäten in der Schule.

Nach negativen Volksentscheiden in Frankreich und den Niederlanden wird der Europäische Verfassungsvertrag in Frage gestellt. Der Europäische Verfassungsvertrag führte aber als erster Vertragstext eine rechtliche Grundlage für den Sport.

Im Juli 2007 nahm die Europäische Kommission das "Weißbuch Sport" an. Es stellt die erste umfassende Initiative zum Thema Sport dar und dient als Orientierung für sportbezogene Maßnahmen in den folgenden Jahren. Es enthält zahlreiche Vorschläge, Sport stärker als bisher in die Umsetzung der Gemeinschafts- und EU-Förderpolitik einzubinden.

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Im Oktober 2007 wurde eine politische Einigung über den EU-Reformvertrag erzielt, der durch die Mitgliedstaaten bis 2009 ratifiziert wird. Die gesellschaftspolitische Rolle des Sports auf europäischer Ebene wird in den Verträgen erstmals offiziell anerkannt. Damit erhält die Europäische Kommission eine Rechtsgrundlage zur Ausarbeitung eines eigenständigen Sportförderprogramms. Erstmals wird der Europäischen Union eine Teilkompetenz für den Sport zuerkannt, die sich auf gleichem Niveau bewegt wie in den Bereichen Bildung und Kultur. Es heißt in Art. 124, die EU trage auch in Anbetracht der sozialen und pädagogischen Funktion des Sports zur Förderung seiner europäischen Aspekte bei. Die Tätigkeit der EU habe zum Ziel, die Entwicklung der europäischen Dimension des Sports voranzubringen. Sie soll unterstützende Maßnahmen zur Förderung der Fairness bei Wettkämpfen sowie zum Schutz der körperlichen Unversehrtheit der Sportler beschließen können. Die Harmonisierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Sport wird im Verfassungsvertrag dagegen ausdrücklich ausgeschlossen.

Bei der Gesamtbewertung des Lissabon-Vertrags bleibt allerdings kritisch anzumerken, dass die Forderung des organisierten Sports, seine Autonomie im Vertrag festzuschreiben, nicht aufgenommen worden ist.

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Bei einem Informellen Treffen der Sportminister der Europäischen Union im März 2007 in Stuttgart kam es zu den sogenannten "Stuttgarter Schlussfolgerungen" zu verschiedenen Themen:

  • "Sport und Gewalt": Zur Prävention und Abwehr gewalttätiger Ausschreitungen im Umfeld des Sports ist eine intensive Zusammenarbeit aller beteiligten nationalen und europaweiten Gremien, Behörden, Fanprojekte, Verbände und Vereine notwendig.
  • "Sport und Ökonomie": Detaillierte Daten über den Anteil des Sports am Bruttoinlandprodukt (BIP), seine Beschäftigungseffekte und die Dynamik des Sportbereichs für alle Mitgliedsstaaten sollen erhoben werden; eine Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit bei der Bewerbung um die Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen innerhalb der Europäischen Union ist wünschenswert.
  • "Dopingbekämpfung": Innerhalb der Europäischen Union sind die nationalen Anti-Doping-Organisationen (NADOs) besser miteinander zu vernetzen mit dem Ziel, ein Kommunikationsnetzwerk aufzubauen und einer Koordinierung der Präventionsarbeit.
  • "Sport und Integration": Qualifizierungsmaßnahmen im Integrationsbereich durchgeführt und die Nachhaltigkeit von Projekten sowie die Einführung eines Zertifizierungssystems für erworbene sozial-integrative Kom-petenzen gewährleistet werden.

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